Gesundheitsförderung Schweiz

Glossar

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Psychische Gesundheit

Psychische Gesundheit (und Krankheit) geht aus dem dynamischen Verhältnis von inneren (körperlichen und psychischen) und äusseren (sozialen und materiellen) Ressourcen und Belastungen hervor. Psychische Gesundheit entsteht, wenn sich Ressourcen und Belastungen in einem bestimmten Bereich im Gleichgewicht befinden oder die Ressourcen stärker ausgeprägt sind als die Belastungen. (vgl. Weber et al. 2016a) Psychische Gesundheit ist vielschichtig und umfasst Aspekte wie Wohlbefinden, Optimismus, Sinnerleben, soziale Beziehungen, Alltagsbewältigung, Selbstwertgefühl und eine gefestigte Identität. Psychische Gesundheit ist demnach nicht mit der blossen Abwesenheit von psychischen Erkrankungen gleichzusetzen. Eine Person fühlt sich psychisch gesund, wenn es ihr möglich ist, ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten auszuschöpfen, alltägliche Lebensbelastungen und Veränderungen zu bewältigen, produktiv zu arbeiten und etwas zu ihrer Gemeinschaft beizutragen. ( Blaser & Amstad 2016a, WHO 2003.) Die psychische und die körperliche Gesundheit beeinflussen sich wechselseitig - eine gute psychische Gesundheit fördert die körperliche Gesundheit und umgekehrt.

⇢ In Abgrenzung zur körperlichen Gesundheit

Psychosoziale Risiken

Psychosoziale Risikofaktoren am Arbeitsplatz sind gesundheitsschädliche Aspekte der Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation und sozialen Verhältnisse. Die häufigsten organisatorischen Belastungen in der Schweiz sind hohes Arbeitstempo, Termindruck und Arbeitsunterbrechungen. (SECO 2014a) Konkret wird unterschieden zwischen:

• Beeinträchtigung der persönlichen Integrität durch psychosoziale Belästigungen wie beispielsweise Mobbing, sexuelle Belästigung, Gewalt etc.

• Psychische Über- oder Unterforderung wie Stress, Monotonie etc. durch psychische Fehlbelastungen aufgrund ungünstiger Merkmale der Arbeitssituation. (SECO 2015ba)

Public Health Action Cycle (PHAC)

Zyklisches Vierphasenmodell, das als Grundlage für die strategische Planung, Umsetzung und Evaluation gesundheitsbezogener Interventionen dient. Die vier Phasen sind:

  1. Erfassung und Analyse gesundheitlicher Problemlagen der Bevölkerung (Assessment)
  2. Entwicklung von gesundheitspolitischen Interventionsstrategien (Policy Development)
  3. Umsetzung dieser Strategien im Gesundheitssystem (Assurance)
  4. Prüfen der Akzeptanz und Wirksamkeit (Evaluation)

(vgl. Ruckstuhl et al. 2008)

Qualität

Qualität ergibt sich aus der Übereinstimmung zwischen den priorisierten Erwartungen der Anspruchsgruppen hinsichtlich einer Leistung und der tatsächlich erbrachten Leistung. (Garms-Homolovà zit. In Meinhold und Matul 2003)

Qualitätsentwicklung

Periodische systematische Reflexion und Verbesserung einer Sache oder eines Sachverhalts.

⇢ In Abgrenzung zu Qualitätssicherung

Qualitätskriterium

Merkmal, nach dem Produkte und Leistungen (qualitativ) bewertet werden können, also z. B. eine Unterscheidung nach «gut» oder «schlecht» erlauben. Kriterien, welche nicht direkt beobachtbar sind, müssen durch Auswahl geeigneter Indikatoren einer Bewertung bzw. Messung zugänglich gemacht werden (Operationalisierung). (BMFSFJ 1999) Im Qualitätssystem quint-essenz definiert ein Set von Qualitätskriterien, was ein gutes Projekt bzw. Programm ausmacht, im Label «Friendly Work Space» definieren Qualitätskriterien, was ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement ist.

Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement umfasst alle auf die Planung, Steuerung, Bewertung, Sicherung und Entwicklung von Qualität bezogenen Managementaufgaben einer Organisation.

Qualitätsmanagementsystem

Kohärentes Gesamtsystem, welches alle Aktivitäten der Planung, Steuerung, Bewertung, Sicherung und Entwicklung von Qualität bündelt.

Qualitätssicherung

Massnahmen, die darauf ausgerichtet sind, einen bereits bestehenden Qualitätsstandard zu erhalten.

⇢ in Abgrenzung zu Qualitätsentwicklung

Reintegration

Beim Abwesenheitsmanagement und der Reintegration wird der Fokus auf das Wiederherstellen und Erhalten der Gesundheit von verunfallten oder erkrankten Arbeitnehmenden gesetzt. Das Begriffspaar wird synonym verwendet und meint das systematische Erfassen und Bewirtschaften von Abwesenheiten sowie fachgerechtes, spezifisches Intervenieren bei Absenzen (vgl. Bürgler 2019). Die Organisation trifft Massnahmen zur Wiedereingliederung der Mitarbeitenden, vor wie auch bei der Rückkehr in den Arbeitsprozess nach Arbeitsunfähigkeit (vgl. Gesundheitsförderung Schweiz / Arbeitsgruppe BGM-Kriterien 2017). Abwesenheitsmanagement und Reintegration sind für Betriebe teils obligatorisch (gemäss UVG, IVG) und teils nach eigenem Ermessen umzusetzen. Beispiele für entsprechende Massnahmen im Rahmen des Abwesenheitsmanagements und der Reintegration sind Schulen der Führungskräfte zum Führen von Präsenz- und Rückkehrgesprächen, Einführung eines Absenzen-Managementsystems und Einbezug eines Case-Managers/einer Case-Managerin. (vgl. IP BGM 2018)

⇢ Das Abwesenheitsmanagement / die Reintegration ist neben der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Arbeitssicherheit / dem Gesundheitsschutz eine der zentralen Säulen eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements. (vgl. IP BGM 2021, Blum-Rüegg 2018a)

Reporting

Periodische Berichterstattung zum Beispiel über verwendete Mittel, erbrachte Leistungen, erreichte Zielgruppen oder festgestellte Wirkungen. Das Reporting dient dem Management als Grundlage für die Steuerung und Kontrolle der Ressourcen, Leistungen und Produkte.

Resilienz

Resilienz steht für psychische Widerstandsfähigkeit angesichts widriger Lebensumstände und beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, mit solchen Lebensumständen gut umgehen zu können und sich rasch von kritischen oder einschneidenden Erlebnissen bzw. Ereignissen zu erholen (vgl. Brinkmann 2014). Resilienz beschreibt nicht ein Merkmal einer Person, sondern vielmehr eine Wechselwirkung zwischen verschiedenen Einflussfaktoren der Person und ihrer Umwelt (vgl. Blaser & Amstad 2016a).

Ressourcen

Mittel, welche den Menschen zur Verfügung stehen, um ihr Leben zu bewältigen und ihre Ziele zu erreichen. In ressourcenorientierter Gesundheitsförderung werden darunter vorab personale (physisch und psychisch), soziale und materielle Ressourcen verstanden. Ressourcen können – genau wie Belastungen – in einer Person selber (interne Ressourcen) oder im Umfeld der Person (externe Ressourcen) liegen (vgl. Blaser & Amstad 2016a).

Im Projektmanagement bezieht sich der Ressourcenbegriff auf die finanziellen, personellen und materiellen Mittel.

Return on Investment (ROI)

Kennzahl, die das Verhältnis zwischen Gewinn und investiertem Kapital angibt. Der Return on Investment (ROI) ist die zentrale Vergleichsgrösse einer Kosten-Nutzen-Analyse. Im Präventionskontext vergleicht der ROI die monetären Kosten von Präventions-massnahmen mit dem Gewinn oder genauer mit den verhinderten gesellschaftlichen und/oder betrieblichen Kosten, welche den Präventionsmassnahmen zugeschrieben werden konnten. Der ROI wird folgendermassen berechnet: (Gesamtnutzen der Prävention – Kosten der Prävention) / Kosten der Prävention (vgl. IRENE und ZHAW 2010a) Im BGM-Kontext vergleicht der ROI die Kosten von BGM-Massnahmen, die einem Betrieb entstehen, und vergleicht sie mit dem finanziellen Nutzen, der dem Betrieb durch diese Massnahmen entsteht (z.B. durch reduzierte Absenzen oder einen Rückgang von Präsentismus).

Risikofaktoren

Körperliche, psychische, soziale oder physikalisch-materielle Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Krankheit, einer Verletzung oder eines schlechten Gesundheitszustandes erhöhen (vgl. Weber et al. 2016a).

Salutogenese

Konzept (von Aaron Antonovsky), welches sich mit der Entstehung, Entwicklung und Förderung von Gesundheit beschäftigt. Es fokussiert auf Ressourcen und Schutzfaktoren bzw. darauf, was Menschen gesund erhält, obwohl sie Risiken und Belastungen ausgesetzt sind. (vgl. Habermann-Horstmeier 2017, 139 sowie Gesundheitsförderung Schweiz 2019, 5)

⇢ in Abgrenzung zu Pathogenese.

Schutzfaktoren

Körperliche, psychische, soziale oder physikalisch-materielle Faktoren, die als gesundheitsfördernde und krankheitsverhindernde Einflussfaktoren den Einfluss der Risikofaktoren beschränken und so das Auftreten einer Krankheit unwahrscheinlicher machen (z. B. ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, ausreichende Erholung, unterstützendes soziales Netzwerk) (vgl. Weber et al. 2016a).

⇢ In Abgrenzung zu Ressourcen, welche sich direkt auf die Gesundheit auswirken können.

Selbstevaluation

Eine Evaluation, die von Personen durchgeführt wird, die an der Intervention selber beteiligt sind (vgl. Gollner et al. 2018). Selbstevaluationen orientieren sich grundsätzlich an denselben Prinzipien wie Fremdevaluationen.

⇢ in Abgrenzung zur Fremdevaluation

Selbstmanagement

Selbstmanagement ist ein Aspekt der Gesundheitskompetenz. Bei Vorliegen einer chronischen Krankheit oder Sucht bezeichnet Selbstmanagement auch einen dynamischen Prozess, welcher die Fähigkeiten eines Individuums umfasst, adäquat und aktiv mit den Symptomen, körperlichen und psychosozialen Auswirkungen, Behandlungen der chronischen Krankheit oder Sucht umzugehen und seinen Lebensstil entsprechend anzupassen. (BAG und GELIKO 2018, 20)

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit beschreibt die subjektive Überzeugung, gewünschte Handlungen aufgrund eigener Kompetenzen erfolgreich bewältigen zu können. (vgl. Brinkmann 2014 zit. In Abderhalden et Jüngling 2019).

Setting

Abgegrenztes sozial-räumliches System, in dem Menschen leben, lernen, arbeiten etc. (z. B. Betrieb, Schule, Kranken-/Pflegeheim, Gemeinde/Quartier, Familie, Verein) und das sich auf deren Gesundheit auswirkt.

Settingansatz

Der Settingansatz ist eine Kernstrategie der Gesundheitsförderung, in welchem es im Wesentlichen darum geht, die Akteure in den Settings dabei zu unterstützen, ihre eigene Lebenswelt gesundheitsförderlich zu gestalten. Der Settingansatz trägt dem Umstand Rechnung, dass Gesundheit im Alltag entsteht, also da, wo die Leute leben, lernen, spielen, arbeiten, altern etc. Er kombiniert verhaltens- und verhältnisorientierte Massnahmen.

⇢ In Abgrenzung zu rein verhaltensorientierten Interventionen (in Settings).

SMARTes Ziel

Ziele, die 'Spezifisch', 'Messbar', 'Anspruchsvoll', 'Realistisch' und 'Terminiert' sind (vgl. Kolip 2019).

Soll-Wert / Ist-Wert

Der Soll-Wert beschreibt ein quantitatives Anspruchsniveau für einen Indikator Der Soll-Wert legt fest, welcher Wert für eine Zielerreichung erforderlich ist. Der Ist-Wert ist der aktuelle Wert.

⇢ Vgl. auch Indikator.

Soziale Teilhabe

Soziale Teilhabe bezieht sich auf die Integration von Menschen in soziale Netzwerke von Familien, Freundinnen und Freunden sowie in die Gemeinschaften, in denen sie leben, und in die Gesellschaft als Ganzes. (vgl. UNECE 2010, 3)

Soziale Unterstützung

Soziale Unterstützung beschreibt das Vermitteln von praktischer Hilfe, emotionaler Unterstützung, Wertschätzung oder den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen zwei oder mehr Personen. (vgl. Bachmann 2014, zit in Blaser et al. 2016a, 18)

Stakeholder

siehe Anspruchsgruppen

Steuergruppe

Die Steuergruppe setzt sich in der Regel aus Vertreterinnen und Vertretern der Auftraggeberschaft und der Geldgebenden zusammen und ist das oberste Entscheidungsgremium eines Projekts oder Programms. In der Steuergruppe werden die strategischen Entscheide gefasst und in der Regel die grobe Ausrichtung, Konzepte, Budget, wichtige Personalentscheide etc. verabschiedet.

⇢ In Abgrenzung zur Begleitgruppe.

Strategie

Konzeptionelle Grundlage, welche beschreibt, wie Organisationen bzw. Unternehmen insgesamt vorgehen wollen, um ihre langfristigen Ziele zu erreichen.
Im Rahmen des Projektmanagements beschreiben Strategien die übergeordneten Interventionsansätze und dienen als Rahmen für die Definition und Bündelung von Massnahmen.

Stress

Ausdruck eines Ungleichgewichts zwischen den Anforderungen der (Arbeits-)Umwelt und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten. Dieses Ungleichgewicht kann negative Emotionen erzeugen, als subjektiv unangenehmer Spannungszustand erlebt werden und krank machen. (Vgl. Zapf & Semmer 2004, zit. in Igic et al. 2014a)

Stressoren

Auf den Organismus wirkende Faktoren, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Stress führen (Zeitdruck, soziale Belastungen etc.) (Zapf & Semmer 2004, zit. in Igic et al. 2014a). Da sich die Bedeutungen der Begriffe «Stressor» und «Belastung» im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements weitgehend decken, werden sie im BGM synonym verwendet.

Strukturelle Rahmenbedingungen

Rahmenbedingungen, die in den gesellschaftlichen Strukturen (politisch, ökonomisch, kulturell, organisationsstrukturell etc.) angelegt sind oder das natürliche und materielle Umfeld betreffen (geografisch, klimatisch, infrastrukturell etc.).

Strukturqualität

Qualität der für eine Intervention erforderlichen Rahmenbedingungen (z. B. politisch, gesetzlich), institutionellen Voraussetzungen und Ressourcen (z. B. konzeptionell, personell, finanziell, infrastrukturell).

⇢ In Abgrenzung zur Prozessqualität und Ergebnisqualität.

Unternehmenserfolg

Erfolg ist das positive Resultat des eigenen Handelns oder wirtschaftlicher Arbeit. Wird ein definiertes oder ein als erstrebenswert anerkanntes Ziel erreicht, so wird von Erfolg gesprochen. Die Beurteilung eines Erfolgs hängt vom persönlichen und kulturellen Wertesystem ab. (vgl. Kraus und Partner 2021) Unternehmenserfolg ist dementsprechend ein subjektiver Begriff, der unterschiedliche Dimensionen umfassen kann (Produktivität, Image, Sicherheit, Kundenzufriedenheit etc.). Bei jeder Betrachtung muss vorgängig bestimmt werden, welche Dimensionen als relevant in eine Bewertung des Unternehmenserfolgs (zum Beispiel im Rahmen eines Benchmarkings) einbezogen werden sollen – es gibt keine objektive Feststellung, welche Dimensionen relevant sind. (vgl. Zeuch 2015)

Unternehmenskultur

Dynamisches Gefüge aus von den Mitarbeitenden geteilten Werten, Normen und Überzeugungen, das über einen längeren Zeitraum gewachsen ist. Die Unternehmenskultur gibt den Mitarbeitenden Orientierung und lenkt ihr Verhalten in eine bestimmte Richtung. (vgl. Baetge et al. 2007; Blum-Rüegg 2018a) Der Führungsstil bestimmt die Unternehmenskultur wesentlich mit und bietet dadurch viel Entwicklungspotential. Mit einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) werden Gesundheitsaspekte fokussiert und eine entsprechende «Gesundheitskultur» in einem Unternehmen angestrebt.

Valorisierung

Aufbereitung, Verbreitung und Nutzung von Erkenntnissen, Erfahrungen und Evaluationsergebnissen aus einer Intervention.

Verankerung

Dauerhafte Überführung von Projekten, Programmen oder Massnahmen in bestehende Policies, Strukturen oder Angebote. Es kann unterschieden werden zwischen Verankerungen auf folgenden Ebenen:

  • Politische Ebene: in Gesetzen, Verordnungen, Gesundheitszielen, strategischen Leitpapieren etc.
  • Verwaltung: in staatlichen Budgets, Leitbildern, Programmen, Leistungsvereinbarungen, Reglementen, Richtlinien, Empfehlungen etc.
  • Organisationen: in Organisationsstrategien, Leitbildern, Budgets, Regelangeboten, Programmen etc.
Verhaltens- und Verhältnisorientierung

Menschliches Handeln (Verhalten) und Lebensbedingungen (Verhältnisse) hängen eng zusammen und beeinflussen sich wechselseitig. Der Verhaltensansatz richtet sich an das Individuum und soll gesundheitsrelevante Kompetenzen und Einstellungen sowie den gesundheitsrelevanten Lebensstil von Individuen und Gruppen direkt beeinflussen. Der Verhältnisansatz will demgegenüber mittels Veränderung von ökologischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen und materiellen Umweltbedingungen indirekt die Gesundheit von Menschen fördern und Krankheiten verhindern. Idealerweise werden verhaltens- und verhältnisorientierte Ansätze kombiniert. (vgl. Weber et al. 2016a, 127)

Vernetzung

Aufbau und Pflege von Kontakten über die Grenzen von Bereichen, Disziplinen, Hierarchiestufen, Organisationen und Projekten hinweg. Der Zweck von Vernetzung ist die Nutzung von Synergien durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen, gegenseitiges Lernen, die Koordination von Angeboten und die Etablierung von Zusammenarbeiten.

Versorgungskette

Eine Versorgungskette bezeichnet die sich ergänzenden Prozesse und Angebote, welche die Versorgung der Bevölkerung mit bestimmten Gütern oder Dienstleistungen gewährleisten. Versorgungsketten im Gesundheitsbereich umfassen alle sich ergänzenden Versorgungsleistungen zu einer spezifischen Krankheit, von der Prävention und Früherkennung über die Diagnostik, Selbstsorge/Selbsthilfe, ambulante und stationäre Behandlung, Therapie und Pflege bis hin zur Nachsorge.

Vision

Eine Vision umfasst Vorstellungen über erwünschte Zustände und beschreibt den idealen Sollzustand in einer längerfristigen Perspektive, also über die Dauer eines Projekts oder Programms hinaus. Eine gute Vision ist einfach und klar, sie motiviert die Beteiligten, trotz potenziell unterschiedlicher Interessen gemeinsam auf dasselbe Fernziel hin zu arbeiten und einen Beitrag dazu zu leisten.

Vulnerabilität

Vulnerabilität bedeutet ganz allgemein Verletzlichkeit oder Verwundbarkeit (vgl. Von Unger 2018). Gesundheitliche Vulnerabilität bezeichnet eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, Behinderungen, Verletzungen oder frühzeitigen Tod infolge einer Häufung von Risikofaktoren und eines Defizits an Schutzfaktoren (Weber et al. 2016a, 128). Das Konzept der Vulnerabilität wird kritisch diskutiert: Die Zuschreibung von Verletzlichkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Individuen und ein Fokus auf Defizite sind problematisch.

Wirksamkeit / Effektivität

Ausmass, in welchem eine Intervention erwiesenermassen Wirkungen (Outcome) erreicht, die in ihren Zielen (Wirkungszielen) vorgegeben sind (vgl. Univation Eval-Wiki; Kurz & Kubek 2018).

⇢ In Abgrenzung zur Wirtschaftlichkeit / Effizienz

Wirkung (von Gesundheitsförderung)

Durch eine gesundheitsförderliche Intervention hervorgerufene Veränderungen von Wissen, Einstellung, Kompetenzen oder Verhalten bei der Zielgruppe, Veränderungen von Verhältnissen (Strukturen) in Settings oder Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene (vgl. Fässler & Studer, 2018, 6).

⇢ In Abgrenzung zu nicht-intendierten (positiven oder negativen) Nebenwirkungen.

Wirkungsmanagement

Aktivitäten und Mechanismen, welche der systematischen Planung, Überprüfung und Optimierung der Wirkungen von Interventionen, Strategien oder Organisationen dienen.

Wirkungsmodell

Vereinfachte Beschreibung oder grafische Darstellung von idealerweise theoretisch oder empirisch begründeten Ursache-Wirkungszusammenhängen von Interventionen. In Wirkungsmodellen werden in der Regel Inputs (Ressourcen), Umsetzung (Aktivitäten/Massnahmen), Outputs (erbrachte Leistungen, Produkte, Angebote), Outcomes (Wirkungen/Reaktionen) und Impacts (übergeordnete Gesamtwirkungen) in Beziehung zueinander dargestellt.

⇢ Siehe interaktives Wirkungsmodell: https://www.quint-essenz.ch/de/outcome_models

Wirkungsziel

Ein Wirkungsziel gibt an, was mit einer Intervention in einem Setting oder bei einer Zielgruppe bewirkt werden soll (vgl. Outcome).

⇢ In Abgrenzung zu Leistungsziel (vgl. Output)

Wirtschaftlichkeit / Effizienz

Verhältnis zwischen den erbrachten Ergebnissen (Output und Outcome) und den dafür eingesetzten Mitteln (Input). Eine Intervention ist dann wirtschaftlich, wenn die Mittel möglichst sparsam in Leistungen und Wirkungen umgewandelt werden. (Vgl. BAG 2017b; OECD zit. in ZEWO, o.J.)

⇢ In Abgrenzung zur Wirksamkeit / Effektivität

Wissensmanagement

Systematische Pflege, zielgerichtete Erweiterung und produktive Nutzung des in einer Organisation vorhandenen Wissens.

Zertifizierung

Verfahren, mit dessen Hilfe nachgewiesen wird, dass eine Organisation bzw. eine Organisationseinheit definierte Anforderungen erfüllt. Das Verfahren wird in der Regel von einer unabhängigen Stelle durchgeführt, die bei positiver Beurteilung eine (meist) zeitlich befristete Bescheinigung (Zertifikat) erteilt. (vgl. BfGA 2019)

Letzte Änderung: Dienstag, 26. April 2022, 09:08 Uhr