Bei Interventionen der Gesundheitsförderung und der Prävention handelt es sich um anspruchsvolle Eingriffe in komplexe soziale Systeme. Es werden in der Regel Wirkungen auf unterschiedlichen Interventionsebenen und mit unterschiedlichem Zeithorizont angestrebt. Die Komplexität sozialer Systeme bringt allerdings mit sich, dass der Planbarkeit solcher Wirkungen enge Grenzen gesetzt sind. Die Wirkungswege sind sehr vielfältig und dynamisch, von unterschiedlichsten Wechselwirkungen und Rückkoppelungen geprägt. Kleine Ursachen können unbeabsichtigt grosse Wirkungen entfalten und vielfältige Nebenwirkungen sind eher Regel als Ausnahme. Einfache Ursache-Wirkungszusammenhänge sind höchstens in Bezug auf klar abgrenzbare Massnahmen mit kurzfristiger und direkter Wirkung vorhanden. Darüber hinausgehend verlieren hypothetische Wirkungszusammenhänge aufgrund der vielfältigen Einflussmöglichkeiten mit wachsender Komplexität und zeitlicher Ausdehnung schnell an Aussagekraft und es kann nicht schlüssig gesagt werden, in¬wiefern eine beobachtete Wirkung tatsächlich Ergebnis einer spezifischen Maßnahme ist.
Wirkungsmodelle stellen nun eine Methodik dar, dieser Vielschichtigkeit ansatzweise zu begegnen. Ressourcen, Massnahmen und (geplante) Wirkungen der Gesundheitsförderung und Prävention werden priorisiert, klassifiziert und in Wirkungszusammenhänge gebracht. In gängigen Wirkungsmodellen werden Wirkungen mit unterschiedlichem Zeithorizont und verschiedenen Wirkungsebenen übersichtlich geordnet und es wird versucht, die diversen Zwischenstufen und vielfältigen Einflussbereiche im Prozess zum Fernziel Gesundheit zu verdeutlichen. Allerdings ist aufgrund oben beschriebener Komplexität zu Vorsicht und Bescheidenheit gemahnt: auch sehr ausführliche Wirkungsmodelle vermögen die Komplexität der Realität nicht wirklich zu erfassen, sondern stellen immer nur einen als relevant beurteilten Ausschnitt dar (Komplexitätsreduktion). Wirkungsmodelle weisen auf mögliche Wirkungszusammenhänge hin, ohne allerdings prognostische Aussagen mit hoher Geltungskraft zu ermöglichen. Zusätzlich gilt es zu beachten, dass Wirkungsmodelle immer kontextbezogen sind – sie lassen sich nicht einfach auf verschiedene Kontexte übertragen, sondern erfordern entsprechendes Überdenken und Anpassen. Einmal erarbeitete Wirkungsmodelle sind auch nicht statisch, sondern sind der Dynamik sozialer Systeme entsprechend kontinuierlich zu überdenken und zu überarbeiten.
Ein besonderes Potenzial derartiger Modelle liegt in der Planungsevaluation. Wenn die Grundlinien eines Projektes oder eines Programms gezeichnet sind, kann mittels Wirkungsmodellen die Kohärenz einer Planung systematisch reflektiert werden. Welche Entstehungswege eines Gesundheitsproblems liegen der Konzeption zugrunde (Wirkungslogik des Problems)? Inwiefern liefert das geplante Projekt eine angemessene Antwort auf diese Problemlage (Wirkungslogik des Projektes)? So gesehen sind Wirkungsmodelle wie das 'Ergebnismodell' äusserst vielseitige Reflexions- und Qualitätsentwicklungsinstrumente, die helfen, in kurzer Zeit Übersicht über wesentliche Elemente komplexer Systeme zu gewinnen. Sie fordern auf, differenziert über Wirkungen in Systemen nachzudenken anstatt auf vorschnelle und vereinfachte Ursache-Wirkungszusammenhänge abzustützen.
Von besonderem Nutzen sind solche Wirkungsmodelle, wenn sie nicht von einer Person alleine ausgearbeitet werden. Eine gemeinsame Anwendung im Projektteam, idealerweise unter Einbezug weiterer Stakeholder und Wissensträger ermöglicht es, verschiedene Sichtweisen, Wissensbestände und unterschiedliche Interessen transparent zu machen und zu koordinieren. Diese partizipative Vorgehensweise fördert ein gemeinsames Verständnis des Systems, welches interveniert werden soll, ein gemeinsames Problemverständis und eine breit abgestützte Interventionsstrategie.